Promotion – How to start

Am Anfang war ich vor allem eins: Planlos.

Ich hatte keinen blassen Schimmer davon, wie man in das Projekt »Medizinische Doktorarbeit« startet. Ich wusste weder, wie man ein geeignetes Thema findet, noch wie man an eine Arbeitsgruppe herantritt. Schritt für Schritt habe ich mich von dieser Unwissenheit befreit. 

Damit ihr etwas weniger planlos als ich starten könnt, habe ich meine Erfahrungen in diesem kleinen Leitfaden festgehalten und mit passenden allgemeinen Informationen ergänzt. Natürlich zeigt meine Herangehensweise nur einen möglichen unter unzähligen anderen sinnvollen Wegen. 

Einen Überblick verschaffen

1. Mindmap erstellen

Meine erste gedankliche Auseinandersetzung mit möglichen Themen für eine medizinische Doktorarbeit, habe ich in Form einer Mindmap visualisiert. Da ich sie auf die wichtigsten Kernthemen reduziert habe, ist ihr Wert vielleicht nicht sofort ersichtlich. Rückblickend kann ich sagen, dass sie das Fundament meiner weiteren Themensuche gebildet hat. Mit einem roten Faden im Kopf, der meine wissenschaftliche Neugierde geweckt hat, ist es mir deutlich leichter gefallen, aktiv zu werden. 


2. Institute der Medizinischen Fakultät und Arbeitsgruppen

In einem zweiten Schritt habe ich mir die verschiedenen Arbeitsgruppen der Medizinischen Institute angesehen. Da ich bereits eine Richtung im Kopf hatte, ist mir die engere Auswahl nicht schwer gefallen. Häufig besitzen die Arbeitsgruppen eine eigene Internetseite, auf der sich das Team vorstellt und aktuelle Forschungsfragen und -ergebnisse in verständlicher Sprache präsentiert werden. Auch aktuelle Publikationen werden häufig direkt verlinkt. Man gewinnt so recht schnell einen Eindruck davon, ob man sich vorstellen kann, sich in eines der Themen tiefergehend einzuarbeiten und sich über einen längeren Zeitraum mit ähnlichen Fragestellungen zu beschäftigen.

Ebenfalls lohnt es sich, einen näheren Blick auf die Forschungsschwerpunkte der jeweiligen Medizinischen Fakultät zu werfen. Da die Forschung in diesen Bereichen besonders gefördert wird, sind diese Bereiche meist sehr innovativ und breit aufgestellt. Auch Erfahrung mit medizinischen Doktoranden ist hier fast immer gegeben, was eigentlich immer von Vorteil ist. 

Wer sich vor allem für eine klinische Arbeit interessiert oder schon weiß, dass er eine bestimmte Fachrichtung anstrebt, der kann sich auch die Medizinischen Kliniken genauer ansehen.  Auch hier findet man online meist eine Übersicht, die schnell die passende Richtung weist. Idealerweise steht man durch Praktika, Famulaturen oder durch die Arbeit als Studentische Hilfskraft schon in Kontakt mit der jeweiligen Klinik. 

3. Promotionsberatung

Viele Universitäten bieten eine Promotionsberatung für Studierende an. Am Anfang meiner Recherche habe ich einen Termin in der Sprechstunde vereinbart und bin mit ein paar Notizen und der Mindmap aufgetaucht, um mich beraten zu lassen. Da ich bereits ein sehr klares Bild von möglichen Themen hatte, war mein Anliegen vor allem die Frage: »Wie trete ich an Arbeitsgruppen heran?«. Natürlich können auch Fragen zur Themenfindung, zum Bewerbungsprozess und Verlauf der Promotion besprochen werden. Hier findet man meist sehr kompetente Ansprechpartner. 

Was möchte ich?

Bevor man in Kontakt mit einer Arbeitsgruppe oder einem/r Professor/in tritt, sollte man grundlegende Fragen für sich beantwortet haben.

  • Zeitliche Faktoren: Bei der Auswahl einer geeigneten Doktorarbeit, ist die Frage nach den eigenen zeitlichen Kapazitäten ein wichtiger Faktor. So zum Beispiel muss man sich entscheiden, ob man ein Freisemester einplant oder seine Arbeit parallel neben dem Studium anfertigt. Zudem unterscheidet sich auch der Zeitaufwand je nach Anspruch, Art und Thema der Arbeit enorm. Ein weiterer Aspekt ist die Frage, ob man eine Struktur mit festen Arbeitszeiten oder aber eine eigenständige Zeiteinteilung präferiert. In bestimmten Lebenssituationen ist es vielleicht auch nötig, dass ein Großteil der Arbeit von zuhause erledigt werden kann.
  • Art der Doktorarbeit: Man unterscheidet zwischen drei Hauptkategorien medizinischer Doktorarbeiten, die verschiedene Vor- und Nachteile besitzen. 
    1. Experimentelle Studien | Diese Art von Arbeiten befassen sich mit den biomedizinischen Grundlagen wie Physiologie, Pharmakologie, Biochemie, Molekularbiologie und basieren vor allem auf der Arbeit im Labor. Auch Tierexperimente gehören in diese Kategorie. 
    2. Klinische Studien | Klinische Studien sind sehr beliebt, da sie sehr nah an der klinischen Praxis und am Patienten sind. Man arbeitet mit Patientendaten, die entweder retrospektiv betrachtet werden oder aber prospektiv erhoben. 
    3. Theoretische Studien | Diese Arbeiten basieren vor allem auf einem sehr umfassendem Literaturstudium und erfordern sehr viel Lese- und Schreibarbeit. Vorteil einer theoretischen Arbeit ist die zeitliche und örtliche Ungebundenheit.
  • Bewertung: Eine gute Bewertung ist vor allem dann relevant, wenn man eine akademische Karriere oder eine Habilitation anstrebt.  Auch die Aussicht auf Publikationen spielt eventuell eine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen den Beginn einer bestimmten Dissertation.

Die richtige Betreuung

Eines steht fest: Ein gute Betreuung trägt wesentlich zum Gelingen der Arbeit bei. Auch wenn der Weg zur Promotion eigenständiger Arbeit bedarf, so steht unter Studierenden die Frage hoch im Diskurs: »Was ist wichtiger: Das Thema oder eine gute Betreuung?« Manche Studierende wählen daher auch zuerst die betreuende Person aus und nehmen dafür eine enger eingegrenzte Themenauswahl gerne in Kauf. 

Etwas gerne tun, macht jede Last leichter.                                                          – Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.)

Da ich großes Interesse an einem bestimmten Thema hatte, habe ich persönlich probiert beides im Blick zu behalten. Dazu gehört am Ende natürlich auch eine Portion Glück. 

Woher weiß ich, dass die Betreuung gut ist?
  • ”Mundpropaganda” | Einer der sichersten Methoden, um herauszufinden, wie sich die Betreuung eines/r bestimmten Professor/in gestaltet, ist der direkte Austausch mit anderen Studierenden.
  • Andere Doktoranden | Wenn man  keine persönlichen Kontaktpunkte hat, lohnt es sich einen Blick auf den Internetauftritt der Arbeitsgruppe zu werfen. Mit etwas Glück werden dort auch die medizinischen Doktoranden aufgelistet, sodass man sich einfach via E-Mail oder Facebook vernetzen kann. So zum Beispiel habe ich einen ehemaligen Doktoranden auf Facebook angeschrieben, der mir dann netterweise angeboten hat, mit ihm zu telefonieren. Dadurch habe ich einen wirklich wertvollen Einblick in die Arbeitsstrukturen gewinnen können. 
  • Nachfragen | Falls man bei seiner Recherche nicht weit gekommen ist, kann man natürlich auch den direkten Weg gehen. Es ist meiner Meinung nach durchaus legitim den Betreuer direkt zu fragen, wie er sich einen gelungenen Austausch vorstellt. Auch die Frage nach einem Ansprechpartner in der Arbeitsgruppe oder im Labor ist durchaus relevant. Ebenfalls sollte sich ein Vorgehen bei aufkommenden Problemen etabliert haben und kein Tabu darstellen.

Bewerbung 

Auch hier gibt es wieder eine Reihe verschiedener Optionen, die in Frage kommen:

  • Initiativbewerbung | Eine Initiativbewerbung bietet sich vor allem an, wenn man Interesse an einem spezifischen Thema einer bestimmten Arbeitsgruppe hat. Mir wurde in der Promotionssprechstunde dazu geraten, mich mit einer knappen, präzisen und aussagekräftigen Mail (max. 6 Sätze) an die Leiterin der Arbeitsgruppe zu wenden und zwei Wochen zu warten. Falls sich nach dieser Zeit niemand gemeldet haben sollte, sei eine hartnäckige, aber freundliche Nachfrage erlaubt. 
  • Doktorandenbörse | An vielen Medizinischen Universitäten gibt es eine sogenannte Doktorandenbörse, die ausgeschriebene Themen für Doktorarbeiten vermitteln. Da sich meist mehrere Studenten auf eine Stelle bewerben, ist hier eine kreative Bewerbung gefragt. 
  • Promotionsbüro | Im Promotionsbüro des Dekanats kann man sich informieren, welche Professor/innen aktuell Doktorarbeiten zu vergeben haben und häufig auch, welche Themen angeboten werden. 
  • Kontakte | Mit etwas Glück findet man einen passenden Betreuer auch im Rahmen einer Famulatur, eines Blockpraktikums oder einer Tätigkeit als Studentische Hilfskraft. Auch nach Vorlesungen wenden sich einige Professor/innen an Studenten mit den Hinweis, dass man sich bei Interesse an dem Inhalt der Vorlesung gerne bezüglich einer Doktorandenstelle bei Ihnen melden könne. 
  • Aushänge | Auch schreiben Arbeitsgruppe und Kliniken freie Doktorandenstellen manchmal online oder an Schwarzen Brettern aus. Ein kurzer Blick auf die Internetseite der Arbeitsgruppe oder auf die Aushänge in der Uni lohnt sich manchmal.

Disclaimer: Wenn man sich im Vorfeld sehr viel mit dem Thema »Promotion« auseinandersetzt, läuft man in die Gefahr, sehr konkrete Vorstellungen und Ansprüche an seine zukünftige Arbeit zu entwickeln. In den meisten Fällen wird man Kompromisse machen müssen. Es ist wichtiger, dass das Gesamtpaket stimmt als jedes kleine Detail.

Wer sich noch umfassender mit dem Thema »Promotion« auseinandersetzen möchte, dem kann ich das in den Quellen verlinkte Buch sehr empfehlen.


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Quellen

|1| Weiß C, Bauer A. Impressum. In: Weiß C, Bauer A, Hrsg. Promotion. 4. vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2015. doi:10.1055/b-003-124632

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