Lernen unter Zeitdruck – 5 Tipps

Hallo Medi Heroes,

ich bin Johanna und studiere aktuell im vierten Semester Medizin. In diesem Beitrag berichte ich über ein Thema, das viele Studenten betrifft, aber vor allem auch mich in den letzten beiden Semestern sehr beschäftigt hat und in Hinblick auf das weitere Studium – insbesondere das Physikum – wohl auch noch länger begleiten wird: Lernen unter Zeitdruck.

Während Zeitdruck eine Person zu Höchstleistungen antreiben kann, bewirkt es bei anderen (mich eingeschlossen) genau das Gegenteil. Vor lauter Gedanken an die anstehenden Klausuren und Dinge, die erledigt werden wollen, saß ich schon oft verzweifelt vor meinen Büchern und habe versucht, mich krampfhaft zu konzentrieren. Natürlich ohne Erfolg. Durch negativen inneren Dialog und zu großen Druck versetzt man sich selbst in einen Zustand, in dem die Aufnahmefähigkeit des Gehirns rapide absinkt und so ziemlich mit Null gleichgesetzt werden kann. Ich schreibe bewusst: “Man selbst”.

Man selbst versetzt sich durch sein eigenes Denken in diese Lage. Hat man das erkannt, kann man also die Verantwortung übernehmen, statt zu resignieren und sich in Selbstmitleid zu suhlen. Das kann bedeuten, einmal laut „Stop!“ zu sagen, die eigenen Gedankengänge zu unterbrechen und durch Handlungsalternativen zu ersetzen, die einem weniger im eigenen Vorhaben hemmen. Zwischen dem Impuls Zeitstress und der körperlichen Reaktion liegt immer ein Zeit- und Handlungsspielraum, den man nutzen kann. Der Mensch kann, im Gegensatz zu den meisten Tieren, aktiv Einfluss darauf nehmen, wie er auf einen Reiz reagiert.

1. Planung

Auch wenn sich Zeitdruck im Studium nicht ganz vermeiden lässt, so verhindert eine zumindest grobe Planung der Klausurphase den Schockmoment. Hat man einen Überblick, wie das Semester strukturiert ist und in welchem Abstand Klausuren geschrieben werden, kann man seinen Zeitplan gezielt anpassen. Optimal ist es natürlich das ganze Semester über parallel zu lernen, wobei auch das zeitlich eine Herausforderung sein kann und man insbesondere hier darauf achten sollte, seine Ressourcen vernünftig einzusetzen. Demnach sollten auch Pausen und Phasen der Entspannung fest eingeplant werden.

Auch der Strukturierung des Tages sollte man Aufmerksamkeit schenken und im Idealfall eine gewisse Kontinuität schaffen. Ich persönlich nehme mir jeden Abend 5 Minuten Zeit, um mir schriftlich zu notieren, was ich am nächsten Tag erledigen möchte.

2. Akzeptanz

Trotz Planung wird es Phasen geben, in denen man sich fragt, wie man den ganzen Stoff in der kurzen Zeit bewältigen soll. Man hängt dem Lernplan hinterher und müsste gefühlt schon zehn Themen weiter sein. In solchen Situationen hilft es rational zu bleiben und einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Anforderungen, die die Klausuren stellen sowie die Prüfungsfragen, die man letztendlich beantworten muss, liegen außerhalb unseres Kontrollbereichs. Wenn man das akzeptiert, wird man seinen Fokus wieder auf Dinge lenken können, die im eigenen Einflussbereich liegen. Frage dich also am besten nach dem nächsten kleinen bewältigbaren Schritt und gehe ihn. Achte nicht so sehr auf den Weg, der noch vor dir legt, sondern konzentriere dich auf den nächsten Schritt. Setze einen vor Fuß vor den anderen. Dieses Vorgehen schützt vor dem Gefühl der totalen Überforderung.

3. Routinen schaffen

Routinen helfen mir persönlich, mich vor dem Lernen zu entspannen und somit in einen Zustand zu versetzen, in dem mein Gehirn aufnahmefähig ist. Wenn man für sich eine bestimmte Lernroutine etabliert, unterstützt und konditioniert man sein Gehirn darauf, in festgelegten Zeitperioden konzentriert und fokussiert zu arbeiten. Mit jeder Wiederholung fällt es schließlich leichter in den Lernmodus zu gelangen. Als eine Art Ritual, um mich in den Lernmodus zu versetzen, trinke ich persönlich vor dem Lernen gerne einen Tee – Mate, Grüntee oder auch schwarzer Tee eignen sich besonders gut, da diese Sorten durch ihren Koffeingehalt zusätzlich anregend wirken. Ein guter Kaffee kann natürlich ebenso zum Ritual werden, jedoch empfehle ich hier nicht zu übertreiben. Der Versuch Müdigkeit in Kaffee zu ertränken geht langfristig nach hinten los und schadet dem Gedächtnis mehr, als dass es nützt.

4. Anfangen

Prokrastination:  Der größte Fehler, den man begehen kann, ist es, sich von seiner Angst vor kurzfristiger Strafe (Hinsetzen und Unmengen an Lernstoff bewältigen) und langfristiger Unsicherheit („Kann ich überhaupt die Prüfung bestehen?“) lähmen zu lassen und erst gar nicht mit dem Lernen zu beginnen. Dadurch, dass man sich von der Angst einnehmen lässt, aber nicht proaktiv handelt, verstärkt man den kurzfristigen Stressfaktor und erhält zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit das negative, befürchtete Ergebnis. Ein Teufelskreis entsteht.

Selbst wenn ihr eure Chance, die Prüfung zu bestehen, noch so klein einschätzt, zieht unbedingt bis zum Ende durch. Wer schon Tage vor der Prüfung aufgibt, raubt sich einerseits die Chance zu bestehen und erzieht sich anderseits das Verhalten an, in jeder schweren Zeit gleich das Handtuch zu werfen. Selbst wenn man doch durch eine Prüfung fällt, so hat man wenigstens die Gewissheit, alles gegeben zu haben und kann mit Anlauf in den zweiten Versuch starten.

5. Körperliche Bedürfnisse

Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Training/ Bewegung gehören für mich zu einer gelungenen Prüfungsvorbereitung ebenso dazu, wie das Lernen an sich. Verzichtet man auf einen dieser Punkte, raubt man sich seine Ressourcen und schlussendlich auch die *Produktivität. Insbesondere dem Punkt Schlaf sollte große Beachtung geschenkt werden, denn gerade hier finden die wichtigen Regenerationsprozesse statt, die auch für das Knüpfen neuer Synapsen von enormer Bedeutung sind. Spart man beispielsweise an zwei Stunden Schlaf, um zwei Stunden länger zu lernen (was ohnehin dann meistens nicht klappt), lernt man durch die mangelnde Regeneration nicht automatisch mehr. Auf Wissen, das nicht langfristiger gespeichert wird, kann man schließlich weder in der Klausur, noch im späteren Klinikalltag zurückgreifen. Die dafür mühsam aufgebrachte Zeit ist folglich ohne Mehrwert verflossen und müde ist man auch noch…

Ein konstanter, gesunder Lebensstil ist ein zentraler Faktor in Hinblick darauf, wie unser Geist und unser Körper auf Stress reagieren. Schmeißt man in der Klausurphase plötzlich alle eingefahrenen Gewohnheiten über Bord und sitzt den ganzen Tag nur noch durchgehend am Schreibtisch, wird man ziemlich schnell an seine Grenzen stoßen.

Falls Ihr auch Erfahrung mit dem Thema Zeitdruck und Lernstress habt, teilt gerne Eure Strategien, Tipps und Tricks in den Kommentaren. Auch für Kritik, Fragen und Anregungen bin ich immer offen und freue mich über den Austausch.

An alle, die sich gerade in einer intensiven Lernphase befinden: Ich wünsche Euch ganz viel Energie und Durchhaltevermögen. Ich bin mir sicher, dass ihr die Prüfung meistert und an den Herausforderungen wachst!

Macht’s gut und gebt Gas!
Johanna


Zu dieser Thematik empfehlenswerte Bücher:

a.) *Deep Work, Cal Newport
*deutsche Version: Konzentriert arbeiten, Cal Newport

b.) *7 Wege der Effektivität, Stephen Covey

c.) *Das Robbins Power Prinzip

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1 comment

  1. 1

    Ohne einen ordentlichen Plan kann ich mir mein Studium nicht vorstellen. Ich bereite mich immer konseqent vor, damit ich nicht kurz vor der Prüfung unter Zeitdruck stehe. Ich bin von Natur aus eine Person, die sowieso ständig sich um alles Sorgen macht. Aus diesem Grund versuche ich möglich viel vorzuplanen. Das empfehle ich jedem: Routinen schaffen, die langfristig unschätzbare Resultate bringen.

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