Mathe: Vom Versager zum Einserschüler

Mischas Noten zum Halbjahr in der 7. Klasse

Als ich erstmals mein Interesse für den Arztberuf entdeckte und mir das Ziel setzte Medizin zu studieren, stand ich vor einem großen Problem: Ich hatte in mehreren Fächern miserable Noten. Dem Foto kannst du meine absoluten Schwächen entnehmen – Sprachen und vor allem Mathematik. Auf Musik hatte ich in der 7. Klasse ehrlicher Weise einfach kein Bock. Was nicht zu sehen ist, ist die Tatsache, dass ich auch in mehreren weiteren Fächern auf der Kippe stand und mich zügig der 5 näherte. Es wird niemand überraschen, dass ich schlussendlich die 7. Klasse wiederholen musste und es sollte noch zwei weitere Jahre dauern, bis es endlich spürbar aufwärts ging.

Die größte Herausforderung auf dem Weg zu einem 1,x Abitur stellte für mich eindeutig die Mathematik dar. Denn obwohl mein Vater mir seit meiner Kindheit täglich predigte, wie wichtig dieses Fach sei, konnte ich diesem einfach nichts abgewinnen. Einerseits verstand ich nicht, warum ich dieses ganze Detailwissen lernen sollte, wo bitte sollte ich es in Zukunft anwenden? Andererseits hatte ich es geschafft, den Anschluss zu verpassen, was dazu führte, dass ich schlechte Noten bekam, diese mich demotivierten und ich schlussendlich in einen Teufelskreis geriet.
Nun gut, wer Medizin studieren will, muss es schaffen sein Abitur mit 1,x abzulegen, ob das einem fair erscheint oder nicht, ist dabei zweitrangig – das waren damals die Spielregeln und heute gelten nach wie vor dieselben.

Doch wie sollte ich das angehen? Wie sollte ich den Teufelskreis endlich durchbrechen? Ganz ehrlich, ich war wirklich planlos. Nachhilfe hat bis dato eher wenig gebracht und aus der heutigen Sicht überrascht es mich absolut nicht. Denn bei aller Nachhilfe, konnte die Lehrerin mir eben nicht die Arbeit abnehmen, die nötig gewesen wäre, um meine Noten von einer 6 auf eine 1 zu pushen. Nach langem hin und her fand ich endlich die magische Formel, um zunächst die Note 2 in Mathematik in der 10. Klasse und schlussendlich einen Notendurchschnitt von 1,4 im gesamten Abitur zu erreichen. Die Magie bestand nicht etwa darin, motivierende YouTube-Videos anzuschauen oder einer super geheimen Mathestrategie zu folgen, die alle Streber kannten, die allerdings an mir scheinbar vorbeigerauscht war. Grob gesagt, bestand das ganze Geheimnis lediglich darin, dass ich meine Leistungssportlermentalität, die ich mir beim Basketball sehr erfolgreich angeeignet hatte, auf die Mathematik übertrug: Ich fing an, täglich mein Training zu absolvieren (Mathe zu üben) und das unabhängig davon, ob ich super motiviert gewesen bin oder nicht.
Das ist natürlich ein stark vereinfachtes Bild davon, was ich wirklich tat. Schauen wir uns also mein damaliges Vorgehen etwas detaillierter an.

Trainingsplan

Damit mein Üben wirklich Früchte trug, ging ich an das Training mit Köpfchen ran und erstellte mir einen durchdachten Trainingsplan. Um genauer zu sein, kaufte ich mir einfach *Mathe-Übungsbücher vom Stark Verlag. Diese Bücher gibt es für so ziemlich jede Klasse und die dienten mir als Grundlage auf meinem Weg zur Note 1.
Zusätzlich zu den Übungsbüchern sprach ich mit meinem Mathelehrer und bat ihn um Tipps. Ich erzählte ihm, das ich mir bereits die *Übungsbücher besorgt hatte und weihte ihn in meinen Plan ein, eines Tages Medizin zu studieren. So ergab es sich also, dass mein damaliger Mathelehrer sich dazu bereit erklärte, mich bei meinem Vorhaben zu unterstützen. Das ganze sah so aus, dass er mir zusätzliche Hausaufgaben aufschrieb, die ich ihm in der nächste Stunde zur Korrektur einreichte. Wenn mir darüber hinaus im Unterricht etwas unklar war, ging ich stets nach der Unterrichtsstunde zu ihm, um meine Probleme durchzusprechen. Nicht immer war es direkt im Anschluss an die Stunde möglich alles zu klären, da manche Probleme einfach mehr Zeit benötigten. Allerdings ist es in der Regel möglich einen kurzen Termin zu vereinbaren. Unser Mathelehrer gab sogar ab und an extra Stunden für all diejenigen, die sich schwer in Mathe taten – natürlich nahm ich diese wahr.

Ehrliche frustrierende Arbeit

All das wäre nutzlos gewesen, wenn ich nicht bereit gewesen wäre die nötige Arbeit ins eigentlich Training reinzustecken. Im Klartext bedeutet es, dass ich täglich Aufgaben aus den *Starkbüchern löste. Insgesamt habe ich wahrscheinlich jedes Buch (ich hatte drei) an die 10x durchgearbeitet. Ich wurde richtig obsessiv, wenn es ums Rechnen ging und übt bis ich kaum noch klar denken konnte. Meine Gedanken sahen wie folgt aus: „Wenn ich beim Basketball meinen Wurf, meine Sprungkraft und meine Schnelligkeit durch regelmäßiges Üben verbessern konnte, so musste dasselbe Prinzip auch auf die Mathematik übertragbar sein.“ Mit dieser Annahme lag ich richtig! Nach nur wenigen Wochen zeigten sich erste Verbesserungen und ich erzielte in der nächsten Schulaufgabe eine “4-“. Frustrierend? Auf den ersten Blick definitiv! Ich hatte so viel Zeit investiert, auf so vieles verzichtet und dann bekam ich nur eine “4-“. Schaut man allerdings genauer hin, so muss man ehrlicherweise bedenken, dass ich mich damit einerseits von einer “6” auf eine “4-” verbesserte und andererseits nach so vielen Jahren Faulenzen nicht erwarten konnte, dass sich die Dinge von heute auf morgen ändern würden. Statt also wieder alles hinzuschmeißen, entschloss ich mich noch mehr zu üben!

No pain, no gain

Mathe gehörte absolut nicht zu meinen Lieblingsfächern, ich kann sogar sagen, dass ich dieses Fach zum damaligen Zeitpunkt abgrundtief hasste! Ich hasste dieses Fach so sehr, dass jedes Mal wenn ich mich zum Üben setzte, ich das Gefühl hatte ins Koma zu fallen. Genau in diesen Augenblick führte ich mir allerdings vor Augen, warum ich Mathe beherrschen wollte, warum es wichtig war, dass ich meine Note verbesserte: Ich wollte Medizin studieren! Ich wollte Arzt werden. Doch dieses Bild alleine reicht nicht aus, weshalb ich mir zusätzlich sehr klar bewusst machte, was mir entgehen würde, wenn ich aufgegeben würde.
Du musst wissen, dass der Mensch vor allem durch Ängste motiviert wird, weshalb es deutlich wichtiger ist zu wissen, wovor man flieht oder was einem entgeht, wohingegen es weniger wichtig ist, was im Ziel auf einen wartet. Über dieses Thema habe ich bereits sehr ausführlich in zwei meiner älteren Videos gesprochen. Einerseits darüber, warum Menschen handeln wie sie handeln und andererseits, wie wir unsere Ängste nutzen können, um unser Leben nachhaltig zum Positiven zu verändern.

Getrieben von der positiven und der negativen Motivation verschrieb ich mich der Profimentalität. Das bedeutet, dass ich täglich die Aufgaben aus den Übungsbüchern löste, unabhängig davon ob ich mich motiviert fühlte oder nicht! Ich tat es einfach.
Was ich noch anmerken möchte: Uns Menschen fällt es immer schwer, uns zu etwas aufzuraffen, in dem wir schlecht sind. Derartige Aufgaben sind nunmal frustrieren und machen erstmal keinen Spaß. So ging es mir zu Beginn mit Mathe, so ging es mir als dicker Anfänger im Basketball und so ging es mir auch oft im Medizinstudium. Du wirst es nicht glauben, auch heute während ich an meiner Doktorarbeit schreibe, gibt es genug Augenblicke, in denen ich einfach alles hinschmeißen möchte. Doch genau diese Augenblicke zeigen, dass du gerade dabei bist eine neue Fähigkeit oder neues Wissen zu erlernen. Dieser Prozess ist unangenehm, aber je öfter du übst und je häufiger du dich zu überwinden schaffst, desto mehr wird dir die neue Tätigkeit Freude bereiten. Für mich kann heutzutage beispielsweise der Prozess, noch weitgehend unerforschte Aspekte der Genetik zu verstehen und diese anschließend auch noch für meine Promotionsarbeit in Worte zu fassen, mehr als frustrierend sein. Allerdings: Je anstrengender und frustrierender der Prozess, desto stolzer und glücklicher fühl man sich, wenn man zurückblickt und das Ergebnis begutachtet. Der Frust und der Schmerz gehören nunmal zum Erfolg dazu.

Nutze deinen Willensakku mit Bedacht

Alles schön und gut, aber was mache ich, wenn ich mich nach der Schule nicht aufraffen kann und es einfach nicht schaffe die nötige Disziplin aufzubringen? Diese Problematik lässt sich einerseits durch die Profimentalität attackieren und andererseits durch eine kluge Tagesplanung. Du musst wissen, dass jeder von uns täglich eine gewisse Menge an Willenskraft mitbekommt. Stelle dir das ganze wie eine Art Akku vor: Je mehr du dich untertags anstrengen und überwinden musst, um bestimmte Aufgaben zu erledigen, desto schneller ist dein Akku leer. Setzt du über den Tag verteilt falsche Prioritäten, führt dies dazu, dass dir keine Willenskraft mehr bleibt, um deine eigentlich wichtigen Aufgaben zu erledigen. Der Akku ist einfach leer. Dies bedeutet, dass man sich frühzeitig entscheiden muss, welche Aufgaben man an einem Tag als erstes erledigen möchte. Am besten erstellt man sich bereits am Abend davor einen Plan. Zu beachten ist, dass Tätigkeiten in denen man noch nicht wirklich gut ist und die nicht auf Autopilot laufen, mehr Willenskraft erfordern als beispielsweise Zähneputzen. Aufbauend darauf kann es also hilfreich sein, das Üben von Matheaufgaben bereits vor der Schule zu erledigen. Jep, du hast mich richtig verstanden! Wenn du es einfach nicht packst nach der Schule zu üben, dann musst du deine Pflichten eben vor der Schule erledigen. Bedeutet: Wecker früher stellen und ab geht’s!

Da ich zu meiner Schulzeit auch noch mehreren Nebenjobs nachging und mein Training unterbekommen wollte, übte ich sowohl vor der Schule, als auch nach der Schule. So konnte ich die Zahl der Aufgaben zwischen den beiden Einheiten aufteilen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich es nach einigen Wochen richtig genoss, vor allen anderen wach gewesen zu sein und zur ersten Stunde bereits einiges erledigt gehabt zu haben.

Glänze im Unterricht!

Das was du im Unterricht machst, entscheidet maßgeblich über deine Noten. Beachte deshalb folgendes:

  • Behandle deine Lehrer mit Respekt! Bei der Notenvergabe spielt auch die subjektive Beurteilung des Schülers (Sympathie) eine entscheidende Rolle. In Mathe ist das im schriftlichen Teil zwar nicht so entscheidend, umso mehr aber im mündlichen. Lass also die Faxen im Unterricht, pack dein Smartphone weg oder lass es gleich zu Hause. Verschiebe das Geplauder mit dem Nachbarn in den Pausenhof und konzentriere dich auf den Unterricht. Wenn es sein muss, suche dir einen Einzelplatz.
  • Bereite dich auf jede Unterrichtsstunde vor und arbeite im Unterricht aktiv mit. Das bedeutet, dass du stets deine Hausaufgaben erledigt haben solltest und am besten rechnest du noch ein paar Aufgaben von den Folgeseiten durch. Diese Rechenaufgaben werden je nach Lehrer in der darauffolgenden Unterrichtsstunde sowieso durchgesprochen und dann bekommst du deine Chance, um zu glänzen. Dieses Vorgehen resultiert in einer guten mündlichen Note und bessert deine Gesamtnote auf. (Einige weitere Tipps hierzu habe ich in einem alten YouTube-Video auf dem Medi Heroes Kanal verraten.)

So sah also meine simple Strategie aus, um meine Mathenote im Laufe der Jahre von einer 6 auf eine 1 zu befördern. Wie du siehst: Kein geheimer Hack. Keine Magie. Ich habe einfach nur täglich ehrliche Arbeit investiert. Ich war oft frustriert. Ich wollte oft aufgaben. Niemand hat an mich geglaubt. Jeder hat mir von meinem Vorhaben (Medizinstudium) abgeraten. All das habe ich allerdings überwunden und habe täglich das getan, was nötig war, um meinen damaligen Traum vom Medizinstudium zu verwirklichen. Heute darf ich mich Arzt nennen. Aktuell bin ich in der Krebsforschung tätig und rückblickend kann ich wirklich sagen, dass sich all der Schweiß und Schmerz wirklich ausgezahlt haben.

Übrigens: Heute habe ich endlich verstanden, warum Mathe so unheimlich spannend und wichtig sein kann. Einerseits benötige ich mathematische Kenntnisse in der Forschung, um beispielsweise herauszufinden, ob meine Ergebnisse statistisch signifikant sind oder doch eher ein Zufall. Andererseits ist Mathematik die Grundlage für jeden Computer, jedes Programm und sogar für künstliche Intelligenz. Es gibt noch zahlreiche weitere Bereich in unserer Welt, die sehr spannend sind und auf Mathematik basieren. Hätten mir das bloß meine damaligen Lehrer verraten, dann wäre mir das Üben vielleicht deutlich einfacher gefallen.

Cheers Mischa

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