Die Kunst sich zum Erfolg zu erziehen

Gestern habe ich nach 12 Tagen intensiver Recherche- und Schreibarbeit endlich meinen Artikel zum Thema Aspartam publiziert. Als ich diesen an Weihnachten zu schreiben begann, wollte ich nur den einen oder anderen Mythos aus dem Weg räumen. Schnell wurde mir allerdings klar, dass dieser deutlich mehr Zeit und Mühe in Anspruch nehmen wird, wenn etwas Brauchbares dabei rum kommen soll. Zugleich hielt mich das ganze vom Schreiben meiner Doktorarbeit ab.

Die Frage war nur: Was soll ich jetzt machen? Soll ich es hinschmeißen, obwohl ich bereits einiges an Mühe investiert hatte oder doch noch durchziehen und mich im Anschluss wieder um meine Doktorarbeit kümmern? Du siehst, ich habe mich für letzteres entschieden.

Vielleicht wunderst du dich über meine Entscheidung, denn auf den ersten Blick verdiene ich mit diesem Artikel weder Geld, noch bringt er mich meinem Doktortitel näher. Warum habe ich also nicht einfach hingeschmissen? Das hat mit meinen Werten und Prinzipien zu tun. Eines meiner Prinzipen lautet: Bringe das, was du anfängst, zu Ende, sofern sich grundlegende Parameter nicht ändern.

Das bedeutet: Ich hatte mich dafür entschieden den Artikel zu schreiben, weil ich wissen wollte, wie es um die Evidenz rund um das Thema Aspartam steht, weil ich Menschen die mir folgen etwas beibringen wollte, weil ich Verbrauchern die Angst nehmen wollte, weil ich selbst etwas dazulernen wollte.

Im Verlauf stellte ich allerdings fest, dass die Aufgabe, die ich mir vorgenommen hatte, viel schwieriger ausfallen wird, als ich zu Beginn dachte. Das bedeutet, dass ich mich mehr anstrengen müsste, mehr lesen müsste, mehr recherchieren müsste, mir viel mehr als gedacht den Kopf zerbrechen müsste. Im Klartext: Ich hatte festgestellt, dass mein Vorhaben anstrengend sein wird. Hat sich aber an den grundlegenden Parametern etwas geändert, also daran, weshalb ich mit dem Schreiben begonnen habe? Nein.

Ich würde mich mit der Evidenz rund um das Thema Aspartam beschäftigen.

Ich würde, sofern ich den Artikel zu Ende schreibe, Menschen etwas beibringen können.

Ich würde dem einen oder anderen Verbraucher die Angst vor dem ach so gefährlichen Aspartam nehmen können.

Schlussendlich könnte ich sogar eine ganze Menge dazulernen. Denn mit jeder Studie, die man eigenhändig analysiert, erweitert man sein Wissen. Dies kommt wiederum auch meiner Doktorarbeit zugute.

Wenn alle Parameter nach wie vor Bestand hatten, warum also aufgeben? In den meisten Fällen ist es die Angst vor kurzfristiger Bestrafung, die uns in solchen Augenblicken zum Aufgeben bringt. Die Angst vor der Anstrengung, die natürlich stets mit einem gewissen kurzfristigen Verzicht und einem Schmerz einhergeht. Denn immer wenn es darum geht, in irgendetwas besser zu werden, muss man sein Gehirn oder seinen Körper über deren Grenzen hinaus treiben. Das ist unangenehmen. Dagegen wehren sich Körper und Geist.

Wir wissen also, dass wir kurzfristig definitiv verzichten müssen, zugleich ist es aber ungewissen, ob wir mit unserem Vorhaben langfristig Erfolg haben werden.

Folgendes kann einem durch den Kopf gehen: Was ist, wenn ich Tage investiere, mich anstrenge und der Artikel nichts wird? Was ist, wenn ihn alle doof finden? Was ist, wenn ich zu schlecht bin und die Studien nicht analysieren kann oder mir gar ein grober Fehler unterläuft, der dann entdeckt wird und ich verspottet werde? Was ist, wenn ich scheitere?
Diese Gedanken nehmen wir häufig nicht bewusst wahr, aber sie sind präsent und das kann uns entweder insgesamt vom Handeln abhalten oder immer wieder dazu führen, dass wir aufgeben und uns selbst sabotieren.

Nochmal: Wir haben Angst vor kurzfristiger Bestrafung (Verzicht), bei gleichzeitiger Ungewissheit bezüglich des langfristigen Erfolgs.

Das ganze lässt sich auch auf zahlreiche andere Lebensbereich anwenden. In einem meiner letzten YouTube-Videos habe ich dieses Thema ausführlich besprochen. Du findet dieses Video hier: Warum du handelst, wie du handelst

In solchen Augenblicken befindet man sich an einem kritischen Punkt. Denn einerseits kann man aufgeben und die Angst schwindet. Man kehrt wieder zu seinen angenehmen Aufgaben zurück und alles ist scheinbar gut. Allerdings nur scheinbar. Denn der Mensch tut immer gerne das, was ihm scheinbar gut tut. Ob das langfristig gut für einen ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. So auch hier: Kurzfristig schwindet die Angst, langfristig erzieht man sich zum Versager. Klingt hart, die Folgen können allerdings zuhauf in der Gesellschaft beobachtet werden: Übergewicht, mehrfach abgebrochenes Studium/ Ausbildung, Rauchen, Drogenabusus und vieles mehr. Der Mensch tut das, was ihm scheinbar gut tut. Kurzfristig mag sich das so anfühlen, langfristig ergibt sich ein anderes Bild.

Der große Trugschluss, der in der Gesellschaft vorherrscht, ist folgender: Sobald man aus dem Elternhaus ausgezogen ist, hört die Erziehung auf. Nun ja, sie hört seitens deiner Eltern auf, aber wenn du dich von diesem Zeitpunkt an nicht selbst um deine eigene Erziehung kümmerst, gehst du unter. Hierbei ist es wichtig zu verstehen, dass man sich nicht nicht erziehen kann. Jede unserer Handlungen trainiert bestimmte Verhaltensmuster. Daraus resultiert, dass man sich sowohl zum Erfolg, als auch zum Versagen erziehen kann.

Frage dich folgendes: Zu welchem Mensch werde ich, wenn ich stets vor Anstrengung und kurzfristigen Ängsten fliehe? Was wird passieren, wenn ich immer den angenehmen Weg wähle und immer alles abbreche, sobald es schwer wird? Wäre ein Mensch, der so handelt, jemand, dem ich zutraue erfolgreich zu werden? Ist ein Mensch, der so handelt, ein Vorbild für mich? „Erfolg“ kannst du an dieser Stelle so definieren, wie du möchtest.

In meinen Augen wird ein Mensch, der niemals etwas durchzieht und stets vor Anstrengung flüchtet, auf eine Weise enden: fett, faul und impotent.
Denn auch wenn derartiges Verhalten sich fast immer zunächst nur in einzelnen Lebensbereichen breit zu macht, so erobert es nach und nach immer größere Abschnitte, bis es schließlich die Führung übernimmt. Sofern man dies nicht zügig und hart durchbricht, manövriert man sich immer tiefer in den schlammigen Abgrund. Man trainiert das Versagen. Man erzieht sich zum Versagen.

Das ganze Spiel funktioniert auch in die andere Richtung, allerdings ist dies unkomfortabler. Das Prinzip ist simpel: Man trainiert das Verhalten, das man von einem nach seinen eigenen Vorstellungen „erfolgreichen“ Menschen erwartet. Je häufiger man etwas trainiert, desto besser wird man darin. Hierbei hilft es, seine eigenen Werte zu definieren und hieraus Prinzipien für sein Leben abzuleiten. Auf meiner Liste stehen folgende Werte, die ich mir erarbeitet habe und die eine für mich erfolgreiche Persönlichkeit widerspiegeln:

  1. Sei mutig.
  2. Sei innovativ.
  3. Sei entschlossen.
  4. Sei beharrlich.
  5. Sei ein Vorbild.

Hiervon lässt sich mein Prinzip ableiten, dass ich Dinge, die ich beginne, zu Ende bringe, sofern sich grundlegende Parameter nicht verändern. Dieses Prinzip baut in diesem Fall auf den beiden Werten „Mut und Beharrlichkeit“ auf. Mutig zu sein bedeutet dabei nicht, keine Angst zu haben, sondern Angst zu verspüren und trotz dieser Angst zu handeln. Beharrlichkeit geht damit einher, dass ich persönlich gelernt habe, dass die besten Dinge im Leben einem nicht in den Schoss fallen, sondern langandauernder Anstrengung bedürfen. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass man eine ganze Weile keinen Erfolg zu sehen bekommt.

Wenn ich mich also entscheiden muss, ob ich etwas Neues beginne oder ob ich etwas, das ich gerade ausführe wieder niederlegen soll, dann besinne ich mich auf meine Werte und frage mich: Wie würde eine in meinen Augen erfolgreiche Persönlichkeit entscheiden? Welche Entscheidung entspricht meinen Werten am ehesten? Welche Prinzipien habe ich?

Sobald ich mir diese Fragen bei nüchterner Betrachtung beantwortet habe, handle ich kompromisslos und zwar unabhängig davon, ob dies meiner aktuellen Komfortzone entspricht oder nicht. Ich erziehe mich selbst zum eigens definierten Erfolg und zwar täglich.

Cheers Mischa

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1 comment

  1. 1

    Mischa,starke Worte durch ,wie ich verstehe eigene Erfahrung und prakrisches Handeln und Umsetzen und Denken!
    Danke für den Tipp der eigenen Listeaufstellung der Prinzipien und des Selbstaktiviren.:)

    Kennst Du online-Videos der Moskauer Neurolinguistin Natalja Grace (Pseudonym) ?Was hälst Du davon praktischer in den Tipps zu werden?Schnelles Lesen,Blockaden durchbrechen?Das klappt super mit Deinem Vorwissen und den Ratschlägen!Dafür großen Dank!:))
    (Es ist nur ein Tipp/Link…sie hat in Ihren Publikationen und Forschung die Selbstprogrammierung der eigenen Neuroentwicklung in all Ihren Persöhnlichkeitsentwicklungs-Trainings sich als Pointe ausgearbeitet…da sind zum Teil gewisse Parallelen auch in Deinen Motivationsvideos,oder?…sie schliesst ihre eigene Forschung dran und vermarktet bewusst die Selbstentfaltung und Verwirklichung und belegt durch wissenschaftliche und Praktische Experimente/Ergebnisse die Wirkungsweise der Selbsverwirklichung…das motiviert den Alltagsmenschen und erleichtert das Umdenken.)

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