Durchbrich die Schreibblockade, indem du dich der Profimentalität verschreibst

Vor etwa einem halben Jahr war es endlich soweit. Ich hatte meine Approbation in der Tasche und darf mich seit dem offiziell “Arzt” nennen. Doch nach einigen Tagen der Entspannung kam ein unangenehmes Gefühl auf – es gab da nämlich etwas, das ich leider noch nicht zu Ende gebracht hatte: Meine Promotion. Seit über 2 Jahren forsche ich nun an der Rolle von miRNAs im Nierenzellkarzinom. Meine bisherige Tätigkeit im Labor bereitete mir große Freude und ich habe das Gefühl an etwas Bedeutendem zu arbeiten, mit dem klaren Ziel vor Augen einen nicht-invasiven Tumormarker zu etablieren. Dennoch fand ich mich vor einem halben Jahr in der Situation vor, nicht mit dem Schreiben beginnen zu können. Egal wie sehr ich mich bemühte (oder dachte es zu tun), ich brachte einfach nichts zu Papier. Meine Motivation war am Boden und ich fühlte mich blockiert. 

Zur selben Zeit begann ich mich intensiv mit der menschlichen Psyche und Motivation auseinanderzusetzen und die neu gewonnen Erkenntnisse auf mein tägliches Handeln anzuwenden. Neben den typischen Motivatoren, die Maslow in seinem Buch “*Motivation und Persönlichkeit” beschreibt (Bedürfnispyramide), erkannte ich auch, welch eine bedeutende Rolle Ängste in unserem Leben spielen. Häufig sind es genau diese, die uns davor abhalten den ersten Schritt zu wagen, aber auch um langfristig dabei zu bleiben. Denn wer eine tief verwurzelte Angst vor kurzfristiger Bestrafung in sich trägt, behindert sich kurz und langfristig selbst. Darüber wie Ängste unser Leben beeinflussen und wie du diese zu deinem Vorteil nutzen kannst, habe ich bereits in zwei YouTube-Videos ausführlich besprochen (1. Video; 2. Video). Dieses Wissen bildet eine gewisse Basis, wenn man an Motivationslosigkeit oder Prokrastination leidet und diese langfristig überwinden möchte. Wenn du nicht genau weißt, wovon ich eigentlich spreche, bitte ich dich die beiden Videos auf YouTube anzuschauen.
Heute möchte ich einen Schritt weitergehen und absolut pragmatische Tipps mit dir teilen, die mir persönlich dabei geholfen haben meine Schreibblockade zu durchbrechen.

1. Zeitblöcke

Um meine Schreibblockade zu überwinden, entschloss ich mich zu radikalen Methoden zu greifen. Ich beschloss ein für alle Mal kein Entkommen zu dulden! Hierzu reservierte ich mir täglich mehrere einstündige Schreibblöcke, in denen ich mich in meinem Zimmer verschanzte, alle äußeren Störfaktoren beseitigte und mein Gehirn dazu zwang, sich mit der einzig wichtigen Aufgabe zu beschäftigen – mit dem Recherchieren und dem Schreiben meiner Promotionsarbeit. Ich begab mich in mentale Isolation, in dem ich alle äußeren Einflüsse in diesen Zeitblöcken eliminierte, um die Entwicklung tiefgreifender Konzentration und des *FLOWs sicherzustellen – keine E-Mails, kein Social Media, kein telefonieren, keine Exkursionen zum Kühlschrank oder zur Kaffeemaschine. In diesen einstündigen Blöcken gab es nur mein faules Gehirn, das um Gnade winselte und seine Aufgabe. Es gab kein Entkommen! 
Nach nur kurzer Zeit in Quarantäne traten erste Besserungen ein: Ich begann mich mit den Inhalten meiner Promotionsarbeit auseinanderzusetzen und stellt nach nur zwei zwei Blöcken fest, dass ich völlig überfordert bin und nur noch weglaufen will. Zum Glück war ich isoliert und so griff ich zur Taktik Nummer 2!

2. Salamitechnik

Während ich tief in den Methoden meiner Doktorarbeit steckte und genau wusste wie und was man für die Durchführung einer PCR (Polymerase-Kettenreaktion) zusammenpipettieren muss und womit meine allzeit hungrigen Krebszellen am liebsten gefüttert werden möchten, so hatte ich keinen blassen Schimmer davon, wie man all die dabei gewonnen Erkenntnisse zu Papier bringt. Ich war überwältig und hätte mir in diesem Augenblick am liebsten erstmal ein Eis geholt oder zwei oder halt die ganze Packung…
Stattdessen griff ich zur Salami! Doch während ich in den letzten Jahren mich daran gewöhnt hatte, mein Essen ebenso wie meine Aufgaben in großen Happen einfach herunterzuschlingen, wäre ich beim Promotionshappen sicherlich einem Bolustod erlegen… Also tat ich das einzig Vernünftige: Ich griff zum Messer und begann damit, die anstehenden Aufgaben behutsam in mund- bzw. hirngerechte Stücke zu untergliedern. Dabei stellte ich entsetzt fest, dass diesmal die Wurst so groß war, dass ich ihr zweites Ende noch nicht mal erhaschen konnte. Na zumindest würde ich richtig satt werden, dachte ich mir und Griff zur ersten hauchdünnen Scheibe. An dieser hatte ich ganze sieben Tage lang in vollkommender Isolation zu knabbern, bevor ich voller Stolz die ersten Zeilen zu Papier brachte. Es war nicht viel, aber es war ein Anfang!

Quintessenz: Manchmal wirken die anstehenden Aufgaben so bedrohlich auf unser Gehirn, dass es sich lieber tot stellt und sich in Social Media flüchtet, statt an der Lösung zu tüfteln. Durchbrich diesen Teufelskreis, in dem du deine riesige Teufels-Salami in mund- und hirngerechte Häppchen schneidest. (Hier wären wir übrigens wieder beim Thema Angst aus der Einleitung.)

3. Verschreibe dich der Profimentalität

Wer nicht motiviert ist, braucht dringend einen Persönlichkeitsentwicklungs-Coach und sollte am besten seinen jetzigen Job hinschmeissen, um den geheimen Tipps in meinem völlig kostenlosen E-Book (nur 5,95 € für den Versand) zur finanziellen und absoluten Freiheit zu folgen…

Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die bereits sehr früh im Leben erfahren durften, was die Spreu vom Weizen trennt. Hier gilt der Dank ganz klar meinen Basketballtrainern und insbesondere meinem Vater. In dem was sie mir in meinen noch jungen Jahren lehrten, wurde ich im Verlauf meines späteren Lebens immer wieder bestätigt. Sie lehrten mich, nicht nur ein Profi werden zu wollen, sondern auch wie einer zu denken und zu handeln. Ein großer Teil der Menschen will hingegen das Profiniveau erreichen, während sie wie Amateure denken und schlussendlich auch so handeln. Das Resultat sind immerwährende Enttäuschungen. 

Im Klartext: Wenn es um das Thema Ziele geht, stellen echte Profis Faktoren wie Motivation hinten an, während Amateure sich vor allem auf Letzteres fixieren. Ständig werden Motivationsvideos geschaut und Bücher zur Persönlichkeitsentwicklung gelesen, währen die eigentliche Aufgabe hinten angestellt wird. Man wartet auf die gerade fehlende Motivation und erforscht unerbittlich die Gründe ihrer Abwesenheit.
Profis auf der anderen Seite wissen, dass Motivation kein Kriterium darstellt, wenn sie sich entscheiden müssen, ob sie heute ihre Aufgabe/ ihr Training erledigen sollen oder nicht. Sie tun es einfach, ganz egal ob die Bedingungen gerade perfekt erscheinen und die Sonne in ihrem Kopf scheint oder nicht. Sie tun es einfach! Einfach weil sie Profis sind.
Profis wissen, dass kein Tag wie der andere sein kann. Profis wissen, dass das Phänomen der sog. Regression zur Mitte existiert. Hierbei handelt es sich um einen Begriff aus der Statistik, der das Phänomen bezeichnet, dass nach extrem ausfallenden Messergebnissen, die nachfolgenden Messwerte sich wieder mehr dem Durchschnitt annähern. Auf die Motivation übertragen bedeutet es, dass es völlig normal ist, nicht jeden Tag hoch-motiviert zu sein. Unsere psychische Verfassung unterliegt gewissen natürlichen Schwankungen, die weder krankhaft sein müssen, noch bedeuten, dass man an einem Tag, an dem man nicht zu 100 % motiviert ist, seine Aufgaben nicht erledigen sollte.
Mein Vater und der Leistungssport haben mir genau das seit Kindesbein an täglich gelehrt. Wer nicht zum Training kam, war raus – Ende der Debatte.

Über die letzten Jahre hinweg durfte ich Profis verschiedener Disziplinen (Ärzte, Unternehmer, Wissenschaftler, Athleten) kennen lernen. Sie alle haben das Prinzip der Profimentalität verinnerlicht und leben diese mit jeder Faser ihres Körpers aus. Oder stelle dir mal Folgendes Szenario vor: Nach einem schweren Autounfall wird ein Patient mit multiplen lebensbedrohlichen Verletzungen (Polytrauma) in den Schockraum gebracht. Die Notaufnahme konnte allerdings leider nicht besetzt werden, da aufgrund des schönen Grill-Wetters die Ärzte heute nicht in der Stimmung waren ihren Dienst anzutreten. 

Um diesen Punkt abzuschließen, möchte ich hier kurz anmerken, dass es sich bei der Profimentalität um keine angeboren Fähigkeit handelt. Es ist viel mehr eine Wertvorstellung, für die man sich entscheidet und immer wieder daran arbeitet, um diese fest zu verankern. Wer glaubt, dass es einfach ist der Profimentalität treu zu bleiben, der irrt. Es bedarf immerwährender Erziehung seiner selbst, um diesem Wert langfristig gerecht zu werden. Wer allerdings in irgendeiner Disziplin das Profiniveau erreichen möchte, kommt nicht nicht drum herum, sich der Profimentalität und dem damit einhergehenden kompromisslosen Handeln zu verschreiben.
Auf das Schreiben übertragen: Egal ob du dich gerade motiviert fühlst oder die perfekten Bedingungen vorherrschen, schreib.

4. Mache große Gesten

Im Jahr 2007 befand sich J. K. Rowling in einer schwierigen “Situation”, in der es ihr schwer fiel sich auf ihre wesentliche Aufgabe zu konzentrieren – die Fertigstellung von *Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, dem letzten Buch der phänomenalen Happy Potter Reihe.
“As I was finishing Deathly Hallows there came a day where the window cleaner came, the kids were at home, the dogs were barking.”, sagte Rowling in einem Interview mit Oprah Winfrey.
Der Druck der auf ihr lastete war enorm, schließlich bestand ihre aktuelle Mission darin, ihr vorerst letztes Meisterwerk zu vollenden und dabei Millionen von Fans nicht zu enttäuschen. Statt sich also entmutigen zu lassen, entschied sie sich für eine radikale Veränderung, um ihren Fokus zurück zu erlangen und ihre Stimmung zum Produktiven zu verändern: Sie checkte in eine Suite des fünf Sterne Balmoral Hotels ein. Hier hatte sie nun die perfekten Bedingungen, um ihr Projekt fertigzustellen. Das Balmoral zählt zu den luxuriösesten Hotels Scotlands, das über eine klassische viktorianische Architektur verfügt und nur wenige Gehminuten von Edinburgh Castle entfernt ist – letztere inspirierte Rowling unter anderem zur Erschaffung von Hogwarts. 

Rowlings Entscheidung in ein luxuriöses Hotel einzuchecken, ist ein gutes Beispiel dafür wie große Gesten sich positiv auf unser Mindest und nicht zuletzt unsere Konzentration auswirken können. Man erlebt einen Hebeleffekt, den man in solchen Augenblicken bitter nötig hat. Denn seien wir mal ehrlich: Ein Kapitel des Harry Potter Romans fertigzustellen, erfordert Tiefenkonzentration und harte Arbeit. Dies bedarf einer Menge mentaler Energie. Doch wenn man plötzlich nicht nur aus seiner gewohnten verstaubten Umgebung gerissen wird und sich an einem Schreibtisch, nur wenige Straßen entfernt von einer Burg im Hogwarts-Stil vorfindet, so wird es einfacher die nötige Energie aufzubringen, um die Prokrastination zu überwinden und den Workflow aufrecht zu erhalten. Vor allem dann, wenn man feststellt, dass man gerade 1000 $ pro Nacht für die Fertigstellung seiner Aufgabe bezahlt.

Vereint haben diese Gesten einen starken psychologischen Effekt, sodass einem die eigene Arbeit plötzlich extrem wichtig erscheint und es keiner großen Überwindung mehr bedarf, um einen Anfang zu finden und bis zum Schluss dran zu bleiben.

Ähnlichen großen Gesten bedienen sich zahlreiche weitere sehr erfolgreiche Menschen, die vor komplexen Aufgaben stehen und viel energiefordernde mentale Arbeit, die tiefgreifender Konzentration bedarf, verrichten müssen – darunter Bill Gates und auch der Physiker Alan Lightman. 

Natürlich steht es nicht jedem von uns frei 1000 $ oder mehr pro Nacht für ein Zimmer in einem Luxushotel zu bezahlen oder sich gar eine eigene Insel zu leisten. Es geht auch einfacher! Die Frage ist immer: Was fasziniert dich und vermittelt dir das Gefühl bedeutende Arbeit zu verrichten?

Persönlich gehöre ich dem INTP-Persönlichkeitstyp an – ich bin ein z.T. stark unorganisierter Logiker, der nichtsdestotrotz komplexe Aufgaben zu meistern vermag. In dieselbe Gruppe fallen unter andem Bill Gates, Isaac Newton und Albert Einstein sowie der fiktive Charakter von NEO aus dem Film “Matrix”. 
Um meine mentalen Kapazitäten auszureizen und auf eine neue Eben zu befördern, erschaffe ich ab und an die Illusion, ein verrückter Wissenschaftler zu sein. Hierfür sperre ich mich mit meinem Laptop in mein Zimmer, wo ich meine komplexen Aufgaben an meinem Whiteboard bei heller Studiobeleuchtung so lange bearbeite, bis sie erledigt sind. Dabei gehe ich den extremen Weg, zerreisse meinen Schlafrhythmus in Stücke, sodass ich z.T. mehrere Stunden arbeite, kurz schlafe und dann wieder am Whiteboard stehe oder am Laptop recherchiere. Die Nacht wird zum Tag und der Tag in Phasen intensiver Denkarbeit in Abwechslung mit kurzen Erholungsphasen (Schlaf) gestückelt. Persönlich wechsle ich in solchen Phasen also noch nicht mal die Location und gebe auch keine Unmengen an Geld aus. Ich erschaffe lediglich eine für mich passende Illusion, die dafür sorgt, dass mir meine Arbeit noch viel wichtiger erscheint, als sie es eh schon ist. 
Wenn mir allerdings in Phasen intensiver Arbeit dennoch mal die Decke auf den Kopf zu donnern droht, begebe ich mich gerne in den Keller der würzburger Jurabibliothek – dieser besitzt eine wunderschöne Atmosphäre – oder ich sperre mich in eine Kabine der Uniklinikumsbibliothek, um mich daran zu erinnern, warum es wichtig ist meine Arbeit fortzuführen, die Prokrastination zu überwinden und wieder wie ein echter Profi zu handeln. 
Um bedeutsame Taten zu vollbringen, ist es ab und an notwendig erstmal große, aber auch für einen persönlich passende Gesten zu tätigen.

All diese Taktiken können dabei helfen eine Schreibblockade zu durchbrechen. Zusammen bezwecken sie eine Art Hebeleffekt und haben mir persönlich enorm dabei geholfen endlich wieder ins Machen zu kommen. Heute kann ich mit stolz verkünden, dass ich einen Großteil meiner Promotionsarbeit zu Papier gebracht habe und drauf und dran bin, auch den Rest fertigzustellen. 
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Cheers Mischa 

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2 Comments

  1. 1

    Hey Mischa,starke Leistung den Fokus zu trainieren und aufrecht zu erhalten.Respekt.
    Die Angsterfahrung ist tatsächlich entscheidend.
    Durch eigene Erfahrung musste ich auch feststellen,dass ich zuerst den inneren Hund füttern muß,bevor Kanal offen wird.
    Dazu gehört regelmäßiges Rausgehen und bewegen👍Bewegung ist Gehirnjogging und das hast Du auch schon zuvor in Deinen Blogs letztes und vorletztes Jahr gepostet.
    Danke für Deine Tipps und Erfahrung!
    Vlt.hilft der Tipp mit dem Inneren Hund der Comunity?Damit Fengshuhi im Kopf besser läuft?:)
    Beste Grüße,Helene

    • 2

      Vielen Dank für dein Feedback und deinen Tipp Helene!
      Sport und Bewegung an sich eignen sich wunderbar, um den Denkfluss zu unterstützen. Das kann man nicht oft genug betonen 🙂

      Cheers Mischa

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